Monthly Archives: März 2005

Noch ein Lieblingslabel in der Zunkunft angelangt

Dischord lebt und gedeiht nach wie vor, nur hatte ich mich lange Zeit gefragt, wie sie wohl das Thema Musikdownload angehen werden. Und das machen sie jetzt auch.
Und wie bisher versuchen sie drei Wege: in den großen Plattenläden (iTunes, Microsoft Music), bei Mom&Pop (downloadpunk.com) und direkt über Dischord (was noch nicht steht, genauso wie ein Teil des Backkatalogs noch fehlt). Schade, mein bisheriger Liebling eMusic ist nicht dabei. Aber schön, dass sie mit der Zeit gehen.

Zu dem Thema noch eine Meldung bei Heise, bei der ich mir dann wieder an den Kopf lange – ohne GEMA-Mitgliedschaft können Bands bei mp3.de in Zukunft ihre Songs auch verkaufen, nicht nur kostenlos anbieten. Mit GEMA-Mitgliedschaft? Das geht auch, sie “müssen aber momentan selbst die nötigen Verhandlungen mit der GEMA führen.”

PS – deutsche Variante von downloadpunk.com: Oggstar, wie der Name schon sagt setzen die auf das lizenzfreie offene Ogg-Format, da gibt’s u.a. X-Mist und Sticksister

Ted Leo zum letzten, Hörsozialisation und Konsumverzicht

Das Wochenende liegt schon etwas zurück, aber erwähnenswert war es trotzdem. Wie schon angekündigt waren wir bei dem Ted Leo + Pharmacists Konzert in Nürnberg (und auch etwas darüber hinaus, vielen Dank an Evi!). Und es war mal wieder großartig, jede Menge Freunde und Bekannte wieder zu sehen, und zu quatschen, bis ich heiser wurde.
Dazwischen war natürlich auch ein Konzert. Und im Gegensatz zu Berlin hat hier alles gepaßt. Denn Hausmischer haben auch ihre Vorteile – sie kennen die Akkustik und die Anlage halt viel besser als ein mitreisender (und die kennen oft auch die Band nicht richtig, oft genug erlebt). Andi hat das schön geregelt, Quit Your Dayjob hatten das auch positiv bemerkt. Diese waren ganz gut, etwas eintönig auf Dauer und ich hatte ja zuviel anderes im Sinn um sie mir durchgehend anzugucken. Aber schön, dass so was mit dabei war und nicht die 1000e Emotralala-Kapelle oder so, wie ich bei DEAG befürchtet hatte.
Ted Leo wirkte zu Beginn nervös und hektisch und versuchte, die Pausen zwischen den Songs möglichst kurz zu halten – er geht wohl erst in der Musik richtig auf, der Rest ist mittel zum Zweck. Aber das besserte sich je länger er spielte, die Apotheker gaben ihr übriges dazu. Seltsam, dass der Bob Ross Verschnitt am Bass keinen Tropfen Schweiß verströmte. Wohl der einzige von den mehr als 160 anwesenden Leuten im vollen, heißen Zentralcafé. Er meinte dazu, er hat ja den leichtesten Job von ihnen, aber das reicht mir nicht. Er bewegte sich zwar auch weniger als Ted, aber da gab es genug Leute, die sich weniger bewegten, kein Flanellhemd anhatten und nicht im Schweinwerferlicht standen und trotzdem tropften. Schwitzsichere Weste oder sowas. Hit folgte auf Hit (die neue Platte ist für mich eh die tighteste und beste seit der letzten Chisel LP), aber auch andere Schaffensperioden – das grandiose Timorous Me inkl. Gänsehaut am Rücken – waren gut vertreten. Ted und der Schlagzeuger waren gegen Ende eher flüssig als fest und es gab auch noch jede Menge Zugaben, sowohl Coverversionen als auch solo, die Ted sehr elegant ohne unnötiges Publikumsgejohle einleitete. Ich muß im Nachhinein immer noch Grinsen und glaube auch, dass selbst wenn ich nicht reisebedingt so ausgehungert gewesen wäre, wäre das ebenso groß gewesen.

Ist ja, wie schon erwähnt, eine Menge Wasser geflossen, bis ich endlich in den Genuß kam, Ted Leo live zu sehen. Dabei hat er und seine (ehemalige) Umgebung bei Gern Blandsten ziemlich viel für meine eigene Hörsozialisation beigetragen. War Gern Blandsten bis zu den ersten Chisel-Veröffentlichungen in erster Linie ein (auch schon ziemlich gutes) DIY-Hardcore-und-Punk-Label, war die meiste Musik, die durch meine Gehörgänge bis dahin (ca. 1996) floß, ähnlich geartet. Aber zu dieser Zeit explodierte einiges, was wir heute noch verspüren, und das kam mir gerade recht. Wenn beispielsweise ich im Intro davon lese, dass Moving Units mit ihrem Neo-New-Wave heute etwas spät kommen, frag ich mich, wo die damals waren, als z.B. Label-Macher Charles bei Computer Cougar, der ersten modernen Gang Of Four Kopie, spielte. Aber das war ja noch nicht angesagt, weshalb die bald wieder verschwanden, ohne je in den bunten Blättern den Status zu erreichen, den sie verdient hätten. Im Gern Blandsten Umfeld tat sich noch jede Menge, was Punk und Hardcore musikalisch bis zum Hip Hop sprengte, jedoch zunächst noch unter striktem Indie- und/oder DIY-Vorzeichen stand – eigentlich bis zum großen Dancepunkhype – als die Liars und Radio 4 Gern Blandsten ins Scheinwerferlicht stellten. Davor geschahen noch andere großartige Dinge, Van Pelt mit Teds Bruder Chris fällt mir da ein, die ein halbes Jahr auf Halde lagen, nachdem ich mir die Platte auf einem Hardcorefestival in Biberach (wie Jo Tornado übrigens auch) gekauft hatte, bis sie so richtig zündete. Oder World Inferno. Oder Impossible Five. Und von Artverwandten wie Les Savy Fav, der Troubleman-Ecke usw. ganz zu schweigen. Ähnliches tat sich ja auch auf der Westküste, wo The Rapture ja schon 1998 auf Gravity begeisterten. Inzwischen frag ich mich natürlich schon, ob diese musikalische Öffnung und stärkere Hinwendung auf die Musik an sich nicht auch dem Business-Prinzip stärker den Einzug ermöglicht hat, oder ob das einfach im amerikanischen Gesellschaftssystem immanent ist, und DIY eigentlich nur eine Spielwiese für aufstrebende Jungunternehmer war/ist. Jedoch ist das festhalten an eingefahrenen musikalischen Stilarten und Posen auch eher kontraproduktiv und verhindert ja auch nicht die Verbusinisierung. Was genug Tough-Guy-Gülle oder Wertkonservativpunks bestätigen. Deshalb lieber weiterhin im aufregendem Unterholz wühlen und musikalisch spannende Sachen hervorziehen, die möglicherweise demnächst in der unsympathischen Großhalle nebenan zu finden sein werden. Die Halbwertszeit für die von mir bevorzugte Konsumierweise ist ja verdammt kurz geworden, deshalb bitte ranhalten, solange noch sympathisch und ohne fahlen Beigeschmack, den Konsumverzicht kann ich dann immer noch ausüben.
now playing: Computer Cougar – Photos That Don’t Exist

Photos von Ted Leo & Pharmacists und Quit Your Dayjob

Ted LeoBevor ich mich an die Zusammenfassung der Ereignisse des Wochenendes mache, habe ich schon mal ein paar Fotos von Ted Leo und Quit Your Dayjob hochgeladen – einfach unter der Gallerie bei Q bzw. T nur die neuen anzeigen lassen (indem Du auf den “neu”-Hinweis klickst).
now playing: Thunderbirds Are Now! – Better Safe Than Safari

Ted Leo morgen

Morgen verlassen wir mal wieder das Exil, und das lohnt sich hoffentlich: Ted Leo kommt nach 7 1/2 Jahren mal wieder auf den Kontinent, da müssen wir dann endlich mal dabei sein! Letztes mal (mit den Sin Eaters als Ersatz für die gerade verschiedenen Chisel) haben wir ihn wegen den doofen Anfangszeiten im Route 66 verpaßt – ebenso wie The Van Pelt, kurz bevor diese verschieden. Von Erlangen aus (damals) schafften wir es eben leider nicht, noch rechtzeitig hinzukommen, als wir um 18.00 dort anriefen, wann es denn anfängt – die sagten mir damals in ca. 15 Minuten :-((. Und der Ersatz in Stuttgart fiel wegen Schneesturms leider auch für uns aus. Auf den Van Pelt Nachfolger The Lapse mußten wir nicht so lange warten, auch wenn wir dafür ins Geschehen eingreifen mußten (und damit unser Konzertmarathon in Nürnberg starteten), damit uns so etwas nie mehr passiert (kurz davor hatten wir schon Dackelblut + Kurt, Rocket From The Crypt und Avail verpaßt aus unterschiedlichen widrigen umständen – alles verdammt wichtig damals).
Nun zur Gegenwart: Ted Leo kommt tatsächlich nach Europa, und unser altes Zweitwohnzimmer in Nürnberg ist das einzige Konzert in Süddeutschland… wir waren noch dazu seit wir zurück sind nicht mehr in Nürnberg im K4 auf einem Konzert (nur in der Desi an Silvester), so daß wir hoffentlich jede Menge vermisste Gesichter (und was noch dazu gehört) treffen. Hoffentlich wird das einer der fähigen Mischer betreuen, damit das nicht so endet wie in Berlin, wie Kerstin mir vermittelt hat: Spreeblick, Stackenblochen
Aber die Kunde aus Hamburg dort teilt ja mit, dass es auch anders geht, und irgendwie kann morgen sowieso nichts schief gehen! :-D
Now playing: Supersystem – Born Into The World

MP3 Hacks

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Touch & Go Records, bahnbrechendes alterwürdiges amerikanisches Indielabel, hat endlich mal eine richtige Webseite. Vom Design mit diesen doofen Scrollbalken abgesehen mit verdammt viel Inhalt. Das erinnert mich an die Zeiten, als ich zum ersten Mal ca. 1997 ins Internet ging und mir mal die Dischord-Seite bei Southern anschaute – soviele Informationen auf einmal… u.a. findet sich die Neuigkeit, dass Three Mile Pilot tatsächlich mal wieder an neuer Musik arbeiten sollen.
Es gibt auch MP3s von vielen Bands, und auch in guter 192k Qualität – nur leider nicht direkt verlinkt, sondern embedded für Quicktime. Da ich mir ungern den Player vorschreiben lasse und auch mir Musik lieber unter meinen Bedingungen und offline anhöre, statt sie jedes mal neu runterzuladen, hab ich mal schnell einen Blick in den Quelltext der Playerseite geworfen – und da steht z.B. mit src=”../media/3372.mp3″ eine über das ganz normale http-Protokoll abrufbare Adresse drin. Also einfach: Playerfenster der gewünschten Datei öffnen, nach der Adresse der mp3-Datei suchen, und diese so umformen, dass im Beispiel sich die Adresse http://www.tgrec.com/media/3372.mp3 ergibt. Und dann kann die auch bequem lokal gespeichert werden, wenn diese Adresse in die Adressleiste des Browsers eingegeben wird.
Hoppla, es geht ja noch einfacher: die Adresse des Playerfensters entspricht ja dem Schema http://www.tgrec.com/songs_videos/media.php?id=3372&type=audio. Also einfach “songs_videos/” raus löschen, nach media “/” einfügen, dann wieder “.php?id=” löschen und “&type=audio” durch “.mp3″ ersetzen. Das ergibt dann http://www.tgrec.com/media/3372.mp3. Das Beispiel hier ist übrigens von Supersystem, die erweiterten und auf Touch & Go umgezogenen El Guapo. Ach ja: das gesamte MP3-Verzeichnis wie auch das Video-Verzeichnis sind übrigens ungeschützt und damit kann direkt auf die Dateien zugegriffen werden, nur sind die Dateien mit Zahlen benannt, weshalb der Umweg über die Playerfenster für das konkrete Finden bequemer ist.

Andere Seite, gleiche Problemstellung: bei Dimmak öffnen sich MP3s nur in einem Pop-Up-Fenster mit eingebettetem Player, der, je nach angeforderter Datei, eine Adresse nach dem Schema http://www.dimmak.com/mp3s/dimmakmp3.php?mp3=dm052_03_MiracleChosuke_Clifton.mp3 hat. Das macht’s gleich ganz einfach: einfach den Teil “dimmakmp3.php?” aus der URL löschen, und schon läßt sich die Datei direkt runterladen.

Es gibt bestimmt noch mehrere solcher Beispiele, beliebt ist ja auch das m3u-Spielchen, wie Beispielsweise bei Merge Records: als Link wird eine m3u-Datei angeboten, aber statt die direkt mit dem MP3-Player Deiner Wahl zu öffnen, sollte sie besser lokal gespeichert werden, mit einem Text-Editor Deiner Wahl geöffnet (wem das zu schwer ist: Datei so umbenennen, dass die Endung .m3u in .txt geändert wird, und dann öffnen), und die enthaltene Adresse wieder einfach in die Adressleiste des Browser kopieren und laden. Das geht übrigens bei .ram-Dateien für Real-Audio entsprechend, wenn der Server es unterstützt.

Die ganzen Tips setzen übrigens voraus, dass der Browser als Standard eine MP3-Datei nicht mit einem Player öffnet, sondern sie entweder speichern will oder Dir die Wahl läßt (falls dem nicht so ist: z.B. bei Firefox steht unter Extras > Einstellungen > Downloads ein Feld mit Dateitypen; dort einfach die verknüpfte Aktion für MP3 entfernen, dann hast Du wieder die Wahl).
Now Playing: Arcade Fire – Neighbourhood #2 (Laika)