Kaum in Nürnberg, haben wir uns schon wieder aufgerafft und haben die Stadt Richtung München verlassen. Da wir ja bei der letzten Tour von The Paper Chase noch in Australien weilten und die jetzige etwas zu bald nachkam und deswegen in Nürnberg nicht stattfand und zudem noch Valina mit dabei waren und das ganz auch noch im feinen Kafe Kult stattfand, war das gar keine Frage. Aus einigen der Gründen war es jedoch etwas schwierig, BegleiterInnen aufzutreiben, am Schluß waren wir zu dritt und trafen dann im Kult doch noch zwei aus Nürnberg, auweia. Am Anfang sah es von der zuschauerischen Füllmenge etwas traurig aus, das legte sich aber zum Glück und auch mit vielen bekannten Gesichtern.
Valina als derzeit beste mir bekannte Band Österreichs zu beschreiben ist nicht so schwer, so viel gute kenn ich da im Moment gar nicht ;-). Aber leider gibt es eh nicht so viele sagen wir mal verschrobene Indie-Bands mit dicken Punkbackground in Europa, die das ganze auch noch richtig gut machen. War wie immer fein, wie üblich war auch der dicke oberösterreichische Akzent im Englischen nicht zu überhören, und es war wohl das erste Mal, das niemand von Valina ne Mütze auf der Bühne auf hatte.
The Paper Chase sind für mich definitiv eine der besten Bands der Stunde, und im Moment gibt es solche schon fast im Akkord, was soll denn da dieses Jahr noch passieren? Dieses Mal war das Set mehr in ihre noiserockige Ecke gewichtet, die poppigsten Stücke vielen (leider) ganz runter, ist aber auch gut, so die unterschiedlichen Gesichter dieser Band zu sehen, war das 1. Konzert in Nürnberg doch z.B. eher den ruhigeren epischen Stücken gewidmet. Auch neu war, dass sowohl Bassist als auch Pianist John Congleton jetzt am Gesang verstärken, und das ganze noch etwas vielfältiger machten. Dazu noch der Cellist, und natürlich die verdammt wuchtige Rythmusecke, die das, Achtung-scheiß-über-Musik-schreiben-Klischee-Ausdruck-aber-mir-fällt-nix-anderes-ein, das tighteste und mächtigste ist, was bei fünf nicht auf dem Baum ist. John Congleton, der Gitarrist und Sänger, ist damit natürlich nicht in den Hintergrund gerückt, er ist und bleibt natürlich Mastermind und Dreh- und Angelpunkt seiner Band. Könnte ja auch Crazy Johnny & The Paper Chasers heißen. Er tickt nicht mehr ganz so arg aus, wenn er los gelassen wird, ist aber immer noch ein flinkes, hektisches, zuckendes Etwas. Fazitär kann ich zusammenfassen, dass The Paper Chase live immer wieder großartig sind und auch immer wieder was Neues bieten, und damit kongenial ihre schon fantastischen Platten ergänzen.
Wie das ganze ausgesehen hat, kann gerne unter Photos betrachtet werden.
now playing: The National – I Don’t Mind
Monthly Archives: Mai 2005
Neue Photos von The Paper Chase und Valina
20.05.05 – 12:25
Von Hot Snakes bis Mae Shi
17.05.05 – 22:52
Ich geb’s ja zu: eigentlich sind wir ja wieder nach Nürnberg gezogen, weil das die einzige süddeutsche Stadt ist, in der die Hot Snakes spielten, auf die wir auch schon seit Jahren (siehe Ted Leo) warteten. Letzten Samstag war’s dann so weit, auch wenn ich das Geld dringend nötig hätte, arbeitete ich nicht auf dem Konzert um mich den eher erfreulichen Dingen eines solchen Abends zu widmen. Und der fing schon damit an, dass extrem viel weitgereiste mehr oder weniger bekannte Gesichter anzutreffen waren, oder auch solche, die eher selten ihren Weg ins K4 finden. Leider waren’s am Ende nicht genug, um den Abend auch finanziell erfolgreich zu beenden. Scheint so ne Band zu sein, für die man entweder Feuer und Flamme ist oder eigentlich nicht interessiert. Egal, auch so war die Stimmung großartig, und vorne merkte man gar nicht, dass der Festsaal nur halb gefüllt war, so sehr drängten sich die Leute vom ersten Ton an an die Bühne. Davor gab’s übrigens noch Dan Sartain, nur mit Gitarre und Stimmer bewaffnet, aber das großartig. Der kommt aus Alabama, ist süße 22, sieht mehr tot aus als lebendig, könnte so auch vor 40 Jahren rumgelaufen sein und meint das ganze ernst, glaub ich. So bluesiger Rock’n'Roll, natürlich tief in Klischees gebadet, aber das ging da wirklich OK, ziemlich lebenslustig und sympathisch präsentiert.
Die Hot Snakes hatten danach hohe Erwartungen zu erfüllen, und die erfüllte ein guter Teil des Publikums eigentlich sich selber, mit Konfettis und Tanzekstase und gutturalem Gegröhle. Sie waren dann auch wirklich gut, am Anfang hat mir der Sound leider nen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, der wurde aber später besser. Sie wirkten teilweise etwas abgeklärt, es war auch optisch natürlich nicht so was geboten (nicht so toll zum fotografieren), kein Wunder bei dem Durchschnittsalter. Musikalisch gab’s nicht viel zu meckern. OK, mir sind eigentlich die langsameren, melancholischeren Stücke lieber, so ist auch die Suicide Invoice meine Lieblingsplatte (leider wurde Why Does It Hurt sträflich vernachlässigt), und sie haben mehr Wert auf die schnellen Kracher gelegt, wie’s auch auf der Audit In Progress sich stärker verbreitet ist. Aber das saß schon gut und ging natürlich OK. Aber etwas bezeichnend, wenn für mich der Gänsehaut-Höhepunkt mit Luau und Bullet Train To Vegas von Drive Like Jehu, der lang verblichenen Vorgängerband, erreicht wurde. Bin wohl doch noch nicht alt genug für das straightere Zeug ;-).
Am nächsten Tag sah ich mir von hinter der Bar The Mae-Shi und Rapider Than Horsepower im Café an. Die beiden Bands boten dann schon mehr fotografierenswerte Aktion auf und vor der Bühne, leider war ich aber aus hinter-der-Bar-Gründen nicht mit einer Kamera bewaffnet. Das Café war ziemlich schlecht gefüllt, was aber leider bei Bands aus dieser vorgeblich anstrengenderen Ecke (zu Hause ist das häufig wirklich nicht der geeignete Soundtrack) nur zu oft der Fall ist. Die, deren Geschmack sich mit dem Vorabend vereinbaren ließ, widmeten sich ob des wohl zu ausdauerndem Feiern in erster Linie dem Club Mate als Lebenselexier, selten hatte ich da so viele von hintereinander verkauft.
The Mae-Shi fingen an, und es war ein irgendwie seltsames Konzert. Für gewöhnlich sind so Leute, die so Musik machen, nicht so junge Bürscherl, wie die, die sich da präsentierten, dann wirkten die auch noch eher wie bei einer Probe, so eher auf sich gegenseitig bezogen und nicht auf das Publikum. Mal dies ausprobieren, mal das, etwas improvisieren, der Gitarrist, der mit hochgeschlossener Trainingsjacke und kabelloser Gitarre immer wieder vor der Bühne hin- und herlief, trug sein übriges dazu bei. Machte Spaß zuzugucken, und war auch musikalisch höchst interessant, wie aus Krachkakophonien Strukturen erwachsen und kurzzeitig Sinn machen um dann wieder umzukippen, um dann von Acappella mit (ach-das-ist-keine-Sample-sondern-vokal-hergestelltes-)Hundegebell durchsetzt abgelöst zu werden, und dann gab’s dann doch wieder kleine Hits dazwischen. Zwischendrin war dann noch Schnurbart-mit-Edding-ins-Gesicht-malen angesagt. War nicht so amüsant wie beispielsweise Chinese Stars oder Ex-Models, hat damit aber auch wieder gut Erwartungen gebrochen.
Rapider Than Horsepower waren im Vergleich dann konventioneller. Das heißt hier gab’s immer Songstrukturen, die recht ambitioniert, aber im Gesamtbild etwas abwechslungsreicher hätten sein können. Manchmal hatte es gar was von irgendwelche Fusion-Zeug, was jetzt nicht so meins ist. Blickfang war natürlich der Sänger mit dicken Locken und lustigen Tattoos, zu dem die Brocken “Commitments”, “School Of Rock” oder “Metal-Angel” hingeworfen wurden, der eine ganz seltsame Art von quietschigem Sprechgesang pflegt, welcher leider etwas unterging, und auch etwas von einem Hüpfball mit fliegenden Armen hatte.
Photos von Hot Snakes und Dan Sartain
15.05.05 – 13:58
Five months in a leaky boat
14.05.05 – 19:19
Für die die’s noch nicht mitgekriegt haben: Kerstin und ich sind inzwischen wieder in Nürnberg gelandet, erstmal nur zur Zwischenmiete, mal sehen, was sich so ergibt. Eigentlich wollten wir ja nur kurzfristig zur Jobsuche nach unserer Reise unter dem Dach unserer Eltern (billig) Zuflucht finden. Da aber auch bei uns die Jobsituation (dollerweise genau seit 2004) kritischer geworden ist, und sich das kurzfristig langfristig ausgewirkt hat, konnte das so nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns erstmal ne vorrübergehende Bleibe in Nürnberg gesucht, da dort u.a. das kulturelle Angebot einfach besser ist (siehe heute abend – eins von drei Konzerten der Hot Snakes in Deutschland :-D), und inzwischen auch mehr Kontakte als anderswo da sind und der Musikverein uns immer noch am Herzen liegt.
Viel unterwegs waren wir auch in letzter Zeit, u.a. eben mehrmals zwischen Südostbayern und Nürnberg wegen Wohnungssuche und Konzerten gependelt, und dann gab’s auch noch ein paar familiäre Anlässe, und den schnellsten Umzug, den ich je gemacht hab. Das ist halt der Vorteil von möblierten Wohnungen. Zwischenzeitlich gab’s auch noch den neuen Papst, und, das sollte ich jetzt nicht unterschlagen, was soll ich sagen, ich hab auf der selben Schule wie dieser mein Abitur gemacht. Wenn jetzt dadurch meine Arbeitsmarktchancen nicht rapide gestiegen sind, deshalb dieser geschickte öffentliche Rückgriff, weiß ich es auch nicht. Ach ja, eine Verbindung zu einem anderen aktuellem Großereignis: mußte eigentlich noch jemand bei Benedikts erstem Auftritt an den Imperator denken? Ein weiteres große Ereignis war wohl, dass die Robos nen Deal mit Epitaph Records haben, als 2. deutsche Band überhaupt, gratuliere. Und dabei sind sie mal wieder so geschickt reingestolpert, dass wohl alle Beteiligten glücklich sind. Hoffentlich hören sie sich jetzt aber nicht an wie Bad Religion, aber ich glaub das ist ein seeehr altes Klischee.
Einen Tag bevor wir unsere neue Wohnung begutachtet haben waren wir noch bei The Data Break und The World/Inferno Friendship Society im K4 gelandet. Erstere sah ich zum ersten Mal, war ganz nett und sympathisch, nur wie unten schon erwähnt war ich erstmal mit meiner neuen Kamera beschäftigt. Nach jahrelangen Konzertfotos mit diversen “Prosumer”-Digiknipsen habe ich mir den lange angesparten Wunsch nach einer digitalen Spiegelreflexkamera, in erster Linie wegen Reaktionsgeschwindigkeit, dediziertem Autofokus und geringem Rauschen bei hohen ISO-Zahlen, erfüllt. Dummerweise mußte ich an dem Abend nicht nur gleich die neue Kamera testen, sondern auch noch den alten, aber für die Kamera ideal geeigneten externen Blitz meines Vaters. Eines hätte wohl erstmal gereicht, aber ich wollte es wohl lieber anspruchsvoller ;-). Außerdem neu an diesem Abend war, dass die Boxentürme von früher Geschichte sind dank der neuen Musikvereins-eigenen Anlage. Dadurch ist die Bühne praktisch rundherum frei, und ich als langer Hausphotograph kann nicht mehr so gut vor den Menschenmassen in den Schatten einer Box fliehen, und ersteren nicht im Blickfeld zu stehen. Sorry. Und aus hinteren Reihen knippst es sich leider schlechter. World/Inferno hatte ich auch schon mal besser erlebt, war schon gut und unterhaltsam, aber für mich nicht mehr so die Offenbarung wie bei der 1. oder 2. Tour. Ich find ja immer noch die ersten Singles am besten, und davon war bis auf Tattoos Fade nix zu hören.
Viel schlimmer fand ich kurz darauf, wir waren an diesem Tag schon nach Nürnberg gezogen und ich saß schon wieder die meiste Zeit an der Kasse, Transistor Transistor. Waren sie bei der ersten Tour eher ein ausgelassener Kindergarten bei einer Liveprobe, nix weltbewegendes, aber amüsant, fehlte dieses mal einfach der Humor. Eigentlich ist es das, was ich mit Metal meine, auch wenn das nie jemand richtig versteht. Nicht musikalisch, sondern dieses sich furchtbar ernst nehmen in nicht so origineller Musik die gerne vor Testosteron strotzt. Laaangweilig. Dieses Hormon versprühten zwar auch Todd etwas, jedoch mehr in form einer brachialen Noiserockbetonwand, was ich als etwas weniger schlimm empfand, jedoch empfinde ich mittlerweise diese typischen humorlosen Männerkonzerte etwas absurd.
Als richtig schön geworden empfinde ich die neue Platte von The National namens Alligator. Dieses mal haben sie es meiner Meinung geschafft, ihr Harmonieempfinden so perfekt zu arrangieren und durchkomponieren, das fast durchgehend Hits dabei sind, die weniger vorbeiplätschern. Natürlich eigentlich schon fast Altherrenmusik, aber mit feinen Ausbrüchen durchsetzt und vielleicht bin ich ja auch schon ein alter Herr. Da fällt mir der Frank ein: auf xyeahx wurde ja das revolutionäre Konzept verkündigt, nicht mehr nur Bands zu machen, die gleich klingen, sondern auch etwas anders musizieren. Wow. Da fallen mir glatt The National ein, die zusammen mit Black Eyes im K4 gespielt hatten, und das sind wirklich zwei komplett gegensätzliche Musikkonzepte, die aber irgendwie sich wunderbar ergänzt hatten. Erstere hatten letztes Wochenende in München gespielt, leider hab ich sie verpaßt. Vielleicht ist ja wieder Gastgeiger Padma auf der Tour dabei, der uns so nett in Australien Obdach gegeben hat. Falls ihn jemand trifft: schöne Grüße und so.
Hot Hot Heat empfand ich am besten auf ihrer Knock Knock Knock EP. Zwischen ihrer lärmigen Vergangenheit und ihrer Stadienzukunft machten sie spannende Musik zwischen vielen Pfosten, die sehr erfrischend und aufregend war. Die nachfolgende LP Make Up The Breakdown war OK, etwas zu nölig vielleicht, und auf der EP waren die Songs durchgängig besser. Von der neuen namens Elevator hatte ich nicht viel erwartet, und irgendwie brauchte ich ein paar Anläufe, aber dann lief sie mir gut ins Ohr. Die Refrains sind rafinierter, alles etwas vielschichtiger und dabei noch poppiger. Und sie sind auch noch von Sub Pop ganz zum Major gewechselt. Aber wenn der beste Effekt des Dance-Punk-Hypes ist, dass es wieder anhörbare Mainstreampopmusik wie diese hier gibt, meinetwegen.
Photos von The World/Inferno Friendship Society und The Data Break
14.05.05 – 16:51
Endlich hab ich mir mal die Zeit genommen, die Bilder hochzuladen… erstes Konzert mit neuer Kamera, war ganz schön aufregend und erstmal verwirrend, wurde dann aber doch was. Also einfach die neuen unter Photos angucken, vielleicht ist ja was für den einen oder die andere dabei :-)

