Archiv des Monats Mai 2005


Five months in a leaky boat

Für die die’s noch nicht mitgekriegt haben: Kerstin und ich sind inzwischen wieder in Nürnberg gelandet, erstmal nur zur Zwischenmiete, mal sehen, was sich so ergibt. Eigentlich wollten wir ja nur kurzfristig zur Jobsuche nach unserer Reise unter dem Dach unserer Eltern (billig) Zuflucht finden. Da aber auch bei uns die Jobsituation (dollerweise genau seit 2004) kritischer geworden ist, und sich das kurzfristig langfristig ausgewirkt hat, konnte das so nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns erstmal ne vorrübergehende Bleibe in Nürnberg gesucht, da dort u.a. das kulturelle Angebot einfach besser ist (siehe heute abend – eins von drei Konzerten der Hot Snakes in Deutschland :-D), und inzwischen auch mehr Kontakte als anderswo da sind und der Musikverein uns immer noch am Herzen liegt.

Viel unterwegs waren wir auch in letzter Zeit, u.a. eben mehrmals zwischen Südostbayern und Nürnberg wegen Wohnungssuche und Konzerten gependelt, und dann gab’s auch noch ein paar familiäre Anlässe, und den schnellsten Umzug, den ich je gemacht hab. Das ist halt der Vorteil von möblierten Wohnungen. Zwischenzeitlich gab’s auch noch den neuen Papst, und, das sollte ich jetzt nicht unterschlagen, was soll ich sagen, ich hab auf der selben Schule wie dieser mein Abitur gemacht. Wenn jetzt dadurch meine Arbeitsmarktchancen nicht rapide gestiegen sind, deshalb dieser geschickte öffentliche Rückgriff, weiß ich es auch nicht. Ach ja, eine Verbindung zu einem anderen aktuellem Großereignis: mußte eigentlich noch jemand bei Benedikts erstem Auftritt an den Imperator denken? Ein weiteres große Ereignis war wohl, dass die Robos nen Deal mit Epitaph Records haben, als 2. deutsche Band überhaupt, gratuliere. Und dabei sind sie mal wieder so geschickt reingestolpert, dass wohl alle Beteiligten glücklich sind. Hoffentlich hören sie sich jetzt aber nicht an wie Bad Religion, aber ich glaub das ist ein seeehr altes Klischee.

Einen Tag bevor wir unsere neue Wohnung begutachtet haben waren wir noch bei The Data Break und The World/Inferno Friendship Society im K4 gelandet. Erstere sah ich zum ersten Mal, war ganz nett und sympathisch, nur wie unten schon erwähnt war ich erstmal mit meiner neuen Kamera beschäftigt. Nach jahrelangen Konzertfotos mit diversen “Prosumer”-Digiknipsen habe ich mir den lange angesparten Wunsch nach einer digitalen Spiegelreflexkamera, in erster Linie wegen Reaktionsgeschwindigkeit, dediziertem Autofokus und geringem Rauschen bei hohen ISO-Zahlen, erfüllt. Dummerweise mußte ich an dem Abend nicht nur gleich die neue Kamera testen, sondern auch noch den alten, aber für die Kamera ideal geeigneten externen Blitz meines Vaters. Eines hätte wohl erstmal gereicht, aber ich wollte es wohl lieber anspruchsvoller ;-). Außerdem neu an diesem Abend war, dass die Boxentürme von früher Geschichte sind dank der neuen Musikvereins-eigenen Anlage. Dadurch ist die Bühne praktisch rundherum frei, und ich als langer Hausphotograph kann nicht mehr so gut vor den Menschenmassen in den Schatten einer Box fliehen, und ersteren nicht im Blickfeld zu stehen. Sorry. Und aus hinteren Reihen knippst es sich leider schlechter. World/Inferno hatte ich auch schon mal besser erlebt, war schon gut und unterhaltsam, aber für mich nicht mehr so die Offenbarung wie bei der 1. oder 2. Tour. Ich find ja immer noch die ersten Singles am besten, und davon war bis auf Tattoos Fade nix zu hören.

Viel schlimmer fand ich kurz darauf, wir waren an diesem Tag schon nach Nürnberg gezogen und ich saß schon wieder die meiste Zeit an der Kasse, Transistor Transistor. Waren sie bei der ersten Tour eher ein ausgelassener Kindergarten bei einer Liveprobe, nix weltbewegendes, aber amüsant, fehlte dieses mal einfach der Humor. Eigentlich ist es das, was ich mit Metal meine, auch wenn das nie jemand richtig versteht. Nicht musikalisch, sondern dieses sich furchtbar ernst nehmen in nicht so origineller Musik die gerne vor Testosteron strotzt. Laaangweilig. Dieses Hormon versprühten zwar auch Todd etwas, jedoch mehr in form einer brachialen Noiserockbetonwand, was ich als etwas weniger schlimm empfand, jedoch empfinde ich mittlerweise diese typischen humorlosen Männerkonzerte etwas absurd.

The NationalAls richtig schön geworden empfinde ich die neue Platte von The National namens Alligator. Dieses mal haben sie es meiner Meinung geschafft, ihr Harmonieempfinden so perfekt zu arrangieren und durchkomponieren, das fast durchgehend Hits dabei sind, die weniger vorbeiplätschern. Natürlich eigentlich schon fast Altherrenmusik, aber mit feinen Ausbrüchen durchsetzt und vielleicht bin ich ja auch schon ein alter Herr. Da fällt mir der Frank ein: auf xyeahx wurde ja das revolutionäre Konzept verkündigt, nicht mehr nur Bands zu machen, die gleich klingen, sondern auch etwas anders musizieren. Wow. Da fallen mir glatt The National ein, die zusammen mit Black Eyes im K4 gespielt hatten, und das sind wirklich zwei komplett gegensätzliche Musikkonzepte, die aber irgendwie sich wunderbar ergänzt hatten. Erstere hatten letztes Wochenende in München gespielt, leider hab ich sie verpaßt. Vielleicht ist ja wieder Gastgeiger Padma auf der Tour dabei, der uns so nett in Australien Obdach gegeben hat. Falls ihn jemand trifft: schöne Grüße und so.

Hot Hot HeatHot Hot Heat empfand ich am besten auf ihrer Knock Knock Knock EP. Zwischen ihrer lärmigen Vergangenheit und ihrer Stadienzukunft machten sie spannende Musik zwischen vielen Pfosten, die sehr erfrischend und aufregend war. Die nachfolgende LP Make Up The Breakdown war OK, etwas zu nölig vielleicht, und auf der EP waren die Songs durchgängig besser. Von der neuen namens Elevator hatte ich nicht viel erwartet, und irgendwie brauchte ich ein paar Anläufe, aber dann lief sie mir gut ins Ohr. Die Refrains sind rafinierter, alles etwas vielschichtiger und dabei noch poppiger. Und sie sind auch noch von Sub Pop ganz zum Major gewechselt. Aber wenn der beste Effekt des Dance-Punk-Hypes ist, dass es wieder anhörbare Mainstreampopmusik wie diese hier gibt, meinetwegen.

Photos von The World/Inferno Friendship Society und The Data Break

World Inferno Endlich hab ich mir mal die Zeit genommen, die Bilder hochzuladen… erstes Konzert mit neuer Kamera, war ganz schön aufregend und erstmal verwirrend, wurde dann aber doch was. Also einfach die neuen unter Photos angucken, vielleicht ist ja was für den einen oder die andere dabei :-)