Von Hot Snakes bis Mae Shi

Ich geb’s ja zu: eigentlich sind wir ja wieder nach Nürnberg gezogen, weil das die einzige süddeutsche Stadt ist, in der die Hot Snakes spielten, auf die wir auch schon seit Jahren (siehe Ted Leo) warteten. Letzten Samstag war’s dann so weit, auch wenn ich das Geld dringend nötig hätte, arbeitete ich nicht auf dem Konzert um mich den eher erfreulichen Dingen eines solchen Abends zu widmen. Und der fing schon damit an, dass extrem viel weitgereiste mehr oder weniger bekannte Gesichter anzutreffen waren, oder auch solche, die eher selten ihren Weg ins K4 finden. Leider waren’s am Ende nicht genug, um den Abend auch finanziell erfolgreich zu beenden. Scheint so ne Band zu sein, für die man entweder Feuer und Flamme ist oder eigentlich nicht interessiert. Egal, auch so war die Stimmung großartig, und vorne merkte man gar nicht, dass der Festsaal nur halb gefüllt war, so sehr drängten sich die Leute vom ersten Ton an an die Bühne. Davor gab’s übrigens noch Dan Sartain, nur mit Gitarre und Stimmer bewaffnet, aber das großartig. Der kommt aus Alabama, ist süße 22, sieht mehr tot aus als lebendig, könnte so auch vor 40 Jahren rumgelaufen sein und meint das ganze ernst, glaub ich. So bluesiger Rock’n’Roll, natürlich tief in Klischees gebadet, aber das ging da wirklich OK, ziemlich lebenslustig und sympathisch präsentiert.
Die Hot Snakes hatten danach hohe Erwartungen zu erfüllen, und die erfüllte ein guter Teil des Publikums eigentlich sich selber, mit Konfettis und Tanzekstase und gutturalem Gegröhle. Sie waren dann auch wirklich gut, am Anfang hat mir der Sound leider nen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, der wurde aber später besser. Sie wirkten teilweise etwas abgeklärt, es war auch optisch natürlich nicht so was geboten (nicht so toll zum fotografieren), kein Wunder bei dem Durchschnittsalter. Musikalisch gab’s nicht viel zu meckern. OK, mir sind eigentlich die langsameren, melancholischeren Stücke lieber, so ist auch die Suicide Invoice meine Lieblingsplatte (leider wurde Why Does It Hurt sträflich vernachlässigt), und sie haben mehr Wert auf die schnellen Kracher gelegt, wie’s auch auf der Audit In Progress sich stärker verbreitet ist. Aber das saß schon gut und ging natürlich OK. Aber etwas bezeichnend, wenn für mich der Gänsehaut-Höhepunkt mit Luau und Bullet Train To Vegas von Drive Like Jehu, der lang verblichenen Vorgängerband, erreicht wurde. Bin wohl doch noch nicht alt genug für das straightere Zeug ;-).

Am nächsten Tag sah ich mir von hinter der Bar The Mae-Shi und Rapider Than Horsepower im Café an. Die beiden Bands boten dann schon mehr fotografierenswerte Aktion auf und vor der Bühne, leider war ich aber aus hinter-der-Bar-Gründen nicht mit einer Kamera bewaffnet. Das Café war ziemlich schlecht gefüllt, was aber leider bei Bands aus dieser vorgeblich anstrengenderen Ecke (zu Hause ist das häufig wirklich nicht der geeignete Soundtrack) nur zu oft der Fall ist. Die, deren Geschmack sich mit dem Vorabend vereinbaren ließ, widmeten sich ob des wohl zu ausdauerndem Feiern in erster Linie dem Club Mate als Lebenselexier, selten hatte ich da so viele von hintereinander verkauft.
The Mae-Shi fingen an, und es war ein irgendwie seltsames Konzert. Für gewöhnlich sind so Leute, die so Musik machen, nicht so junge Bürscherl, wie die, die sich da präsentierten, dann wirkten die auch noch eher wie bei einer Probe, so eher auf sich gegenseitig bezogen und nicht auf das Publikum. Mal dies ausprobieren, mal das, etwas improvisieren, der Gitarrist, der mit hochgeschlossener Trainingsjacke und kabelloser Gitarre immer wieder vor der Bühne hin- und herlief, trug sein übriges dazu bei. Machte Spaß zuzugucken, und war auch musikalisch höchst interessant, wie aus Krachkakophonien Strukturen erwachsen und kurzzeitig Sinn machen um dann wieder umzukippen, um dann von Acappella mit (ach-das-ist-keine-Sample-sondern-vokal-hergestelltes-)Hundegebell durchsetzt abgelöst zu werden, und dann gab’s dann doch wieder kleine Hits dazwischen. Zwischendrin war dann noch Schnurbart-mit-Edding-ins-Gesicht-malen angesagt. War nicht so amüsant wie beispielsweise Chinese Stars oder Ex-Models, hat damit aber auch wieder gut Erwartungen gebrochen.
Rapider Than Horsepower waren im Vergleich dann konventioneller. Das heißt hier gab’s immer Songstrukturen, die recht ambitioniert, aber im Gesamtbild etwas abwechslungsreicher hätten sein können. Manchmal hatte es gar was von irgendwelche Fusion-Zeug, was jetzt nicht so meins ist. Blickfang war natürlich der Sänger mit dicken Locken und lustigen Tattoos, zu dem die Brocken “Commitments”, “School Of Rock” oder “Metal-Angel” hingeworfen wurden, der eine ganz seltsame Art von quietschigem Sprechgesang pflegt, welcher leider etwas unterging, und auch etwas von einem Hüpfball mit fliegenden Armen hatte.

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